Holz mit Zukunft: Wissenswertes über die Robinie
Natürliches Vorkommen
Die Robinie ist im Mittelosten Nordamerikas in den Appalachen vom Nordosten Alabamas bis hin zum Südwesten Pennsylvanias zu finden. Außerdem existieren weitere Gebiete westlich der Appalachen auf dem Ozark-Plateau im Bereich der Bundesstaaten Arkansas, Oklahoma und Missouri sowie einige verstreute Kleinvorkommen südlich der Appalachen in Alabama und Georgi.
Vorkommen und Verwendung in Europa
Es lässt sich nicht genau feststellen, wann die Robinie nach Europa gebracht wurde. Bekannt ist jedoch, dass Jean Robin sie eingeführt und dann im Jardin des Plantes zum ersten Mal gepflanzt hat. Aufgeführt als Acacia Americana Robini wird die Robinie im 1635 erschienenen Werk von Jaques Philippe Cornut „Canadensium plantarum [...] Enchiridion botanicum parisiense“.
Die botanischen Gärten Europas ermöglichen der Robinie im Verlauf des 17. Jahrhunderts in ganz Europa eine Verbreitung. In Deutschland wird sie zum ersten Mal im Jahr 1672 von Johann Sigismund Elsholtz in seinem Buch „Vom Gartenbau“ als Acacia Robini bezeichnet. Darauffolgend interessieren sich auch Landschaftsgärtnereien immer mehr für die Robinie, die darüber hinaus auch immer öfter als Alleebaum gepflanzt wird. Das Potenzial der Robinie wird schnell erkannt: Der auch auf armen Böden wachsende Baum wird vor allem in Frankreich, später auch in Deutschland, in Weinbaugebieten zur Gewinnung von Rebpfählen kultiviert. Die schnelle Verbreitung der Robinie in ganz Europa geht auf ihre unkomplizierte Vermehrung über Wurzelbrut und Stockausschläge, ihr schnelles Wachstum in der Jugend und der Vorzüge ihres Holzes zurück. Außerdem konnte sie in der Imkerei verwendet werden.

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wird die Robinie verstärkt aufgrund des wachsenden (Brenn-)Holzmangels angebaut. Friedrich Casimir Medicus gibt in diesem Zusammenhang von 1794 bis 1797 eine Zeitschrift in sechs Bänden heraus. Der Titel lautet: „Unächter Acacien-Baum – Zur Ermunterung des allgemeinen Anbaues dieser in ihrer Art einzigen Holzart“. Medicus ist sich sicher, dass die Robinie das Mittel der Wahl sei, den Holzmangel schnell und nachhaltig zu überwinden. Denn gute Kenntnisse bezüglich der Nachzucht, Pflanzung, Pflege, sowie der Holzverwendung existierten auch schon damals. In Deutschland wurde die Robinie vor allem in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz angebaut. In Bayern konnte sie vor allem im Nürnberger Raum entlang von Bahndämmen, Straßen und auf Ödland auf den Burgsandsteinböden angetroffen werden.
Die Robinie zeichnete sich durch ihre Genügsamkeit aus und war ein Baum für vielseitige Zwecke. Beispielsweise zur schnellen Erzeugung von Holz in Form von Brettern, Pfälen oder Brennholz. Als Futterspender für das Vieh, das das Laub aufgrund seines hohen Eiweißgehaltes gern frisst oder auch als Anlaufstelle für Bienen. Und schließlich ist die Robinie schnell zu verjüngen und zu vermehren und zur Zeit der Blüte ein echter Hingucker.
Quelle:
[1] Meyer-Münzer, B.; Grotehusmann, H. & Vor, T. (2015): Robinie. In: Vor, T. et al. (Hg.). Potenziale und Risiken eingeführter Baumarten (Göttinger Forstwissenschaften 7), S. 277-296.